Die Familie Julius Bauer
Julius überlebte den Krieg und kehrte etwa Anfang 1916, verwundet und dekoriert mit dem Eisernen Kreuz, von der Front in Frankreich nach Weilburg zurück. Er versuchte, in Weilburg, fernab der Front, seine Verwundung auszuheilen, was aber nicht gelang, trotz eines Aufenthalts in der Schweiz. So kehrte er nicht in den Krieg zurück und verblieb in Weilburg bis zum Kriegsende 1918, was vermutlich sein Glück war. Sein Bruder und Geschäftspartner Moritz war dagegen im Juli 1916 in einem russischen Gefangenenlager verstorben. Ein anderer Bruder, Harry Rudolf, war bereits am 7. Dezember 1914 an der Ostfront, in „Russisch-Polen“, gefallen.
Schon bald nach seiner Rückkehr nach Weilburg nahm Julius den Viehhandel wieder auf, sein Name findet sich bereits wieder auf einer Steuerhebeliste für das Jahr 1917. Diese positive Entwicklung wurde überschattet durch den Tod seines Sohnes Joachim, der im Januar 1918 plötzlich und unerwartet starb. Aber am 13. November 1918 schenkte Ehefrau Selma wieder einem Sohn das Leben, der den Namen Kurt erhielt. Jetzt hatte die Familie wieder drei Kinder.
Nach dem Krieg nahm Julius‘ Viehhandel einen deutlichen Aufschwung, der Standort am Rande der Stadt machte sich vorteilhaft bemerkbar. Julius war ein angesehener Weilburger Bürger, der sich darüber hinaus in der israelitischen Kultusgemeinde Weilburg engagierte. Als der bisherige Kultusvorsteher 1931 von seinem Amt zurücktrat, übernahm Julius sein Amt und stand von 1931 – 1932 als Kultusvorsteher an der Spitze der israelitischen Kultusgemeinde Weilburg.
1938 emigrierte die Bauer-Familie: Julius, Selma und ihre Söhne Kurt und Norbert nach Brasilien, Erna (Baer), ihr Mann Herbert Baer und Tochter Hannah in die USA.