Familie Bauer
Die Familie von Jonas und Fanny Bauer war die größte jüdische Familie in Weilburg. Zu ihr gehörten 12 Kinder, 11 davon waren in Weilburg geboren.
1938 verließ Julius Bauer als letzter Angehöriger der Bauer-Familie seine Geburtsstadt Weilburg und emigrierte nach Brasilien.
Zur Geschichte der Familie Jonas und Fanny Bauer
Als die Synagoge Weilburg am 9. Mai 1845 eingeweiht wurde, zählte die „Israelitische Cultusgemeinde Weilburg“, so ihr amtlicher Name, 93 Mitglieder: In Weilburg waren 54 Mitglieder ansässig und weitere Juden in den drei „Filialorten“: in Löhnberg 17, in Waldhausen 4 und in Merenberg 18. In den nachfolgenden Jahrzehnten nahm die Zahl der in Weilburg lebenden Juden stetig zu und erreichte im Jahr 1885 mit 220 ihren Höchststand. Innerhalb von vierzig Jahren vervierfachte sich also deren Zahl, die Gründe für diesen ungewöhnlichen Anstieg sind unbekannt.
Zur Geschichte der Familien Moritz und Julius Bauer
Am 6. Januar 1903 verstarb Jonas Bauer in Weilburg, sein Tod stellte eine Zäsur in der Familiengeschichte dar. Es ist nicht bekannt, wie viele Söhne und Töchter im Januar 1903 schon aus Weilburg abgewandert waren bzw. noch in Weilburg wohnhaft waren. Auch über die Zukunft des Viehhandels nach Jonas Bauers Tod ist kaum etwas überliefert. Sicher scheint nur zu sein, dass die Witwe Fanny Bauer zunächst die Nachfolge ihres Mannes Jonas antrat und weiter Viehhandel betrieb.
Die Bauer-Familien im Ersten Weltkrieg
Über die Geschehnisse und Verhältnisse im Ersten Weltkrieg kann wegen der besseren Quellenlage umfassender berichtet werden als über die Jahre vor 1914. Grundlage der nachfolgenden Darstellung sind u. a. so genannte „Hauslisten“, die für die Kriegsjahre 1914 – 1918 im Historischen Archiv der Stadt Weilburg vollständig vorliegen. In diese „Hauslisten“ wurden die Namen aller Einwohner der Stadt Weilburg eingetragen, geordnet nach Straßen und Häusern. Stichtag der Eintragung war immer Mitte Oktober eines jeden Jahres.
Die Familie Julius Bauer
Julius überlebte den Krieg und kehrte etwa Anfang 1916, verwundet und dekoriert mit dem Eisernen Kreuz, von der Front in Frankreich nach Weilburg zurück. Er versuchte, in Weilburg, fernab der Front, seine Verwundung auszuheilen, was aber nicht gelang, trotz eines Aufenthalts in der Schweiz. So kehrte er nicht in den Krieg zurück und verblieb in Weilburg bis zum Kriegsende 1918, was vermutlich sein Glück war. Sein Bruder und Geschäftspartner Moritz war dagegen im Juli 1916 in einem russischen Gefangenenlager verstorben. Ein anderer Bruder, Harry Rudolf, war bereits am 7. Dezember 1914 an der Ostfront, in „Russisch-Polen“, gefallen.
Die Familien Bauer in Aachen und in Kassel und Umgebung
Die nachfolgende Darstellung stützt sich vor allem auf Mitteilungen der Stadtarchive Aachen und Kassel und diverser Stadtverwaltungen.
Aachen
Dass Fanny Bauer und ihre Tochter Frieda sich am 09.11.1915 in Weilburg abmeldeten, nach Aachen umzogen und dort im Haus Adalbertstraße 43 unterkamen, hatten vor allem folgende Gründe: In Aachen lebten seit Jahren Clementine Bauer und Lina Levano geb. Bauer, beide Töchter von Fanny Bauer bzw. Schwestern von Frieda Bauer...
Kontakte mit Nachfahren der Familie Julius Bauer
Julius und Selma Bauer hatten drei Kinder, die in Weilburg geboren wurden: Erna (1910), Norbert (1912) und Kurt (1918). Erna heiratete 1936 in Weilburg den aus Nümbrecht stammenden Viehhändler Hermann Baer und zog mit ihm nach der Eheschließung nach Nümbrecht, wo 1937 als erstes Kind Hannah geboren wurde. 1938 emigrierte die dreiköpfige Familie in die USA.
Ernas Eltern Julius und Selma und ihre Brüder Norbert und Kurt emigrierten 1938 nach Brasilien. Norbert und Kurt, die 1938 noch unverheiratet waren, schlossen Ehen in Brasilien. Mit Norberts Sohn Milton besteht seit Jahren E-Mail-Kontakt...