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Zur Geschichte der Familien Moritz und Julius Bauer

Am 6. Januar 1903 verstarb Jonas Bauer in Weilburg, sein Tod stellte eine Zäsur in der Familiengeschichte dar. Es ist nicht bekannt, wie viele Söhne und Töchter im Januar 1903 schon aus Weilburg abgewandert waren bzw. noch in Weilburg wohnhaft waren. Auch über die Zukunft des Viehhandels nach Jonas Bauers Tod ist kaum etwas überliefert. Sicher scheint nur zu sein, dass die Witwe Fanny Bauer zunächst die Nachfolge ihres Mannes Jonas antrat und weiter Viehhandel betrieb. Über den Umfang dieses Viehhandels kann aber nichts gesagt werden. In einem „Verzeichnis über die von den hier wohnenden Israeliten zu zahlenden Steuern“ zum Etatjahr 1907 wird als Steuerzahlerin noch „Jonas Bauer Witwe“ geführt, sie zahlte 31 Mark Einkommenssteuer und 16,80 Mark Gebäudesteuer. Auch in der Steuerhebeliste für 1908 wird „Jonas Bauer Witwe“ mit einem Steuersoll von 21 Mark Einkommenssteuer aufgeführt. Die geringen Steuerbeträge lassen vermuten, dass Fannys Viehhandel kaum noch Erträge abwarf. In der Steuerhebeliste für 1909 erscheint „Jonas Bauer Witwe“ nicht mehr, ihr Name ist durchgestrichen, stattdessen findet sich unter dem durchgestrichenen Namen als neuer Name „Julius Bauer“, mir roter Tinte geschrieben.

Die Eintragungen in der Steuerhebeliste verraten wichtige Veränderungen in der Familie Bauer, die sich mittlerweile ergeben hatten und denen vermutlich gründliche Beratungen im Familienkreis vorausgegangen waren: 1908 verkaufte Fanny Bauer ihr Anwesen „Hinter der Mauer Nr. 45“, das seit 1876 Heimstatt der großen Familie gewesen war. Am 12. März 1908 kauften die Brüder Moritz und Julius gemeinsam das am Stadtrand gelegene Haus Ahäuser Weg 10. Vermutlich wurde der Erlös aus Fannys Hausverkauf für den Ankauf des neuen Hauses verwandt, außerdem wurde eine Hypothek aufgenommen.

Es handelte sich bei dem Anwesen Ahäuser Weg 10 um ein zweigeschossiges Wohnhaus mit Kniestock, dazu gehörten außerdem eine Futterküche, eine Remise sowie eine Scheune mit Stallungen. Von hier aus betrieben Moritz und Julius Bauer fortan gemeinsam Viehhandel und gründeten hierfür sogar eigens eine Firma, die sie „Gebrüder Bauer“ nannten. Fanny Bauer nahm ihren Wohnsitz im Ahäuser Weg 10, sie hatte die Führung des Viehhandels an ihre Söhne Moritz und Julius abgegeben. Vermutlich zogen auch Moritz und Julius, die beide noch nicht verheiratet waren, ebenfalls in das Haus Ahäuser Weg 10 ein. Hierüber liegen Unterlagen aber nicht vor.

Gründung zweier Familien

Julius Bauer heiratete am 29. August 1909 in Großkrotzenburg die aus Großkrotzenburg stammende Selma Spier, einer der Trauzeugen war Julius‘ Bruder Moritz. Julius und Selma nahmen ihren Wohnsitz in Weilburg, hier wurden dem Paar vor dem Ersten Weltkrieg zwei Kinder geboren: Erna, am 03.08.1910, und Norbert, am 22.07.1912.

Moritz Bauer heiratete am 18. August 1911 in Naumburg (Nordhessen) die aus Naumburg stammende Rosa Kander, einer der Trauzeugen war Moritz‘ Bruder Hermann, der damals in Hamburg lebte. Das Paar nahm seinen Wohnsitz in Weilburg, hier wurden dem Paar drei Töchter geboren: Sabine Auguste (30.10.1912), Brunhilde (02.04.1914) und Irmgard (12.12. 1915).

 

Beide Familien wohnten in Weilburg, alle Kinder der beiden Familien wurden in Weilburg geboren, dagegen ist bis heute nicht geklärt, wo die Familien vor dem Ersten Weltkrieg wohnten: Wohnten beide Familien im Haus Ahäuser Weg 10 oder wohnte dort nur eine Familie? Wo aber wohnte dann die andere Familie? Unterlagen über diesen Sachverhalt liegen bis heute nicht vor.